Schnuggebock-Whisky-Dram Two

Meine erste wirkliche Whiskystadt war Oban, das Zentrum der schottischen Meeresfrüchte-Fischerei an der Westküste gegenüber der Insel Mull. Hinter ihr kommt dann der weite Atlantik. Meine Lieblingsfrau und ich waren am Tag zuvor von Edinburgh hergefahren. Die Nacht hatten wir im „Hotel zum breitmauligen Frosch“ verbracht. Natürlich nach einem good night dram an der Bar. Am andern Vormittag, kurz nach Zehn, betraten wir das Besucherzentrum der Oban Distillery. Die lokale Brennerei verkriecht sich unweit des Hafens mitten in den Steinhäusern der Altstadt. Wir wollten uns erkundigen, wann am Nachmittag Führungen stattfinden. Fred, schwarzgewandet, freundlich und vom Aussehen her very Scottish meinte, er hätte gerade Zeit, ready? Wir zwei mussten uns als kleinstmögliche Gruppe nicht zweimal bitten lassen. Privatführung!

John ist ein Experte seines Fachs und bemühte sich gar gegenüber uns Helvetern, seinen schottischen Akzent etwas abzuschwächen. Obwohl es verboten war zu fotografieren, wies er mich ab und zu auf ein gutes Fotosujet hin, nachdem er vorsichtig über seine Schulter geschaut hatte. Bei zwei Fässern durften wir einen  wee dram („wirklich kleines Schlückchen“) kosten. Nach einer äusserst vergnüglichen und lehrreichen Führung gelangten wir schliesslich in den tasting room. John stellte ein paar leere Gläser auf die Theke und griff sich eine erste Flasche. Mit Blick auf die bereits gekosteten Schlückchen und die Tatsache, dass wir per Auto gekommen waren, wehrte ich sein Einschenken ab. Doch John klärte mich auf: Als pensionierter Polizist wisse er, dass nach dem „responsible“ Whiskygenuss eine grosse Portion starken Kaffees die Fahrtüchtigkeit schnell wieder herstelle. Und, dass es gleich um die Ecke, unten beim Hafen, eine wunderbare Konditorei gebe, die nicht nur beste Pralinés produziere, sondern auch einen Kaffee mit der beschriebenen Wirkung ausschenke. Dorthin sollten wir dann noch vor dem Lunch gehen, dann wäre alles in Butter. „Aber zuerst probiert ihr jetzt unseren vierzehnjährigen OBAN!“

Der Kaffee in der Oban Cocolate Factory war in der Tat sehr stark und die Pralinés himmlisch. Der Oban aus der 1794 gegründeten gleichnamigen Brennerei im gleichnamigen Städtchen hat seither einen Ehrenplatz in unserer Hausbar.

Euer Roland Kink, Schnuggebock-Whisky-Hüter

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