Rosa Dörig-Sonderer (4.4.1922 bis 27.2.2009)

Rosa Dörig war lange Jahre und bis zur Übergabe des Betriebs an Sohn Chläus die gute Seele des damals so genannten Restaurants Waldegg. Zusammen mit ihrem leider früh vorverstorbenen Ehemann Sepp übernahm sie 1948 Landwirtschaft und Puurebeiz. So legten die beiden den Grundstein des Erfolgs zu dem, was heute als Erlebnis Waldegg in der Ostschweiz und weit darüber hinaus bekannt und beliebt ist. Nach dem Tod ihres Mannes lastete eine grosse Verantwortung und viel Arbeit auf den Schultern der kleinen, immer fröhlichen Frau. Als geborene Gastgeberin gelang es ihr aber mit Fleiss und Ausdauer, die Waldegg zu einem bewundernswerten Lebenswerk zu machen.

Rosa Dörig erblickte am 4. April 1922 in Meistersrüte AI als eines von drei Geschwistern das Licht der Welt. Wie in jener Zeit üblich, wuchsen die Sonderer-Kinder in ärmlichen Verhältnissen auf. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann Rosa, neben der Schule zeitweise als Zimmermädchen in der «Krone» in Gais zu arbeiten. Ein Jahr später war für sie die Schule zu Ende. Sie arbeitete dann im Nähsaal der Textilfirma Eisenhut für den für die damalige Zeit üblichen Stundenlohn von 22 Rappen. Den kargen Lohn gab sie vollumfänglich zu Hause ab, denn die Familie war froh, dass die älteste Tochter einige Fränkli Zubrot verdienen konnte.

Es waren schwierige Jahre, damals, während des Krieges. Nach drei Jahren in der Fabrik wechselte Rosa ins Gastgewerbe und kehrte in die «Krone» in Gais zurück, um eine einjährige Saallehre zu absolvieren. Sie blieb der «Krone» noch für weitere zwei Jahre treu, zu einem Monatslohn von 70 Franken. Dann zog es sie in die Fremde: Auf das Welschlandjahr folgte ein Jahr im Tessin.

Die unterdessen 20 Jahre alte Rosa arbeitet 1942 im Hotel «Sternen» in Unterwasser. Dort lernte sie den Säntiswirt Sepp Dörig, ihren zukünftigen Ehemann, kennen. Zwei Jahre später traten Rosa und Sepp miteinander vor den Traualtar und Rosa folgte ihrem Sepp hinauf auf den Säntis. Dort kam 1945 als ihr erstes Kind Tochter Rosmarie zur Welt. Ein Jahr darauf kamen auf dem Säntis im siebten Schwangerschaftsmonat Zwillinge zur Welt. Vater Sepp musste Hebamme spielen. Leider lebte das eine Kindlein nur vier Stunden, während das andere nach zwei Tagen verstarb. Niemand wusste, dass Zwillinge unterwegs waren, ein Doktor war deshalb nicht zur Stelle. Und die Rega gab es leider noch nicht.

Im Februar 1948 kam Sepp junior zur Welt. Im März desselben Jahres übernahmen Rosa und Vater Sepp dann das Restaurant auf der Waldegg, das in einem miserablen Zustand war. Im neuen Heim der Familie Dörig schenkte Rosa weiteren vier Söhnen das Leben: Hans, Chläus, Bernhard und Thomas. Die Familie arbeitete hart, das Restaurant war während 365 Tagen im Jahr geöffnet, und auch in der Landwirtschaft gab es alle Hände voll zu tun.

1967 verstarb Rosas geliebter Mann nach ihrer langen, fürsorglichen Pflege. Nun stand Rosa Dörig mit vier Kindern (zwei waren schon ausgeflogen) einem Restaurant und einem Bauernbetrieb alleine da. Mit eisernem Willen, durch harte Arbeit und die Mithilfe der Kinder überstand die Familie jedoch die schwere Zeit, und es begann, mit dem Betrieb langsam aufwärts zu gehen. Im Jahre 1986 verlor Rosa ihren Sohn Hans nach schwerer Krankheit. Im Februar 1981, die Waldegg war gerade völlig neu renoviert worden, fielen die Gebäude einem verheerenden Feuer zum Opfer.

Ein Jahr später, am 1. August 1982, erstrahlte die Waldegg jedoch in neuem Glanz und Rosa übergab die Leitung des Betriebs ihrem Sohn Chläus. Das hiess aber für Rosa noch lange nicht, einfach auf dem Ofenbänkli zu sitzen. Sie sprang überall ein, wo’s nötig war und blieb der Waldegg sozusagen als Gründungsmutter mit ihrer Arbeitskraft treu. Noch nach ihrem 80. Geburtstag sah man sie am Gartenbuffet im Einsatz und im Hintergrund bügelte sie Berge von Wäsche. Auch nebenher war sie unternehmenslustig und ihre freie Zeit erlaubte es ihr gar, ab und zu ihre dahin ausgewanderten Söhne Sepp in Kanada und Thomas in Mexico zu besuchen. Diese Reisen brachten auch zum Ausdruck, wie viel ihre Kinder Rosa während ihres ganzen Lebens bedeuteten. Die Familie, speziell die Jungmannschaft, standen trotz der vielen Arbeit im Mittelpunkt ihres Alltags. Diese Liebe zur Familie übertrug Rosa auch auf ihre Enkelkinder, die immer sehr gerne den Weg zu „Grosi“ unter die Füsse nahmen.

Mit zunehmendem Alter schwanden jedoch Rosas Kräfte, und so schlief sie am 27. Februar 2009, von ihrer Tochter Rosmarie liebevoll gepflegt, friedlich ein.