Schulzimmer

Unser Lehrer Max Bünzli

Der Tintelompe ist ein richtiges 4. Klasse-Schulzimmer von früher.

Die Schulbänke sind nach altem Muster neu gefertigt worden. Die restliche Einrichtung stammt aus verstaubten Estrichen verschiedener Schulhäuser. Der Zählrahmen, das Lehrerpult, die gerollten, riesigen Geographie-Karten (nicht spicken lassen!), der Schütt-Stein, das Kanonenöfeli, die Griffelschachteln, Federhalter und Spitzfedern. Einige ausgestopfte Tiere müssen auch herumstehen. Je nach Saison zieren Schülerzeichnungen und Schautafeln die Wände. Die Tönis (Schultornister) hängen vor dem Tintelompe (mehr oder weniger) geordnet an ihren Haken.

Die Waldegg-Schulkommission hat extra für den Tintelompe ein Schulheft herausgegeben. Das erhält jeder ABC-Schütze bei seiner ersten Stunde im Tintelompe.

«Nehmed Platz, Chinde!»

Natürlich: der Tintelompe ist ein altes Schulzimmer. Aber da wird nicht trockene Materie vermittelt, da gibt’s keinen langweiligen Frontalunterricht, keine Plackerei, kein In-die-Ecke-stellen von weniger fleissigen Schülern. Sonst würde er wohl einfach „Schulzimmer“ heissen. Der Tintelompe ist eigentlich ein ganz besonderes Restaurant.

Alle Angehörigen der momentanen Eltern-Generation scheinen gleich zu reagieren, wenn sie das erste Mal den Tintelompe betreten. „Au, das ist ja wirklich wie unser altes Schulzimmer, damals in .....“ Und die Jungen staunen, dass man früher wirklich so Schule halten konnte. Die Älteren haben  ausnahmslos sofort eine Geschichte auf Lager und beginnen zu erzählen. „Also, der Lehrer Lämpel, der sagte einmal im Rechenunterricht .....“ Wirklich, jeder Gast hat unwillkürlich ein Bild aus der Jugendzeit vor Augen. Und es ist natürlich wie beim Militär: Man erinnert sich nur an die positiven Dinge. Und über die ganz schlimmen kann man heute lachen, wie etwa die bösen Prügel, die der Fritzli einmal erhielt.

Im Tintelompe geht man nicht zur Schule, wenn man zur Schule geht. Sondern man spielt eine vergnügliche Schulstunde. Fremd bleibt man sich nicht lange, denn die Lehrerin oder der Lehrer teilt jedem Gast einen neuen Vornamen zu und man wechselt so schnell zum Du. Jede Schülerin und jeder Schüler hat einen eigenen Tornister.

Mehr soll hier nicht verraten werden. Nur soviel: Im Tintelompe gibt’s längere Pausen als gewöhnlich, es gibt mehr zu Essen als normal in der Schule. Vier Gänge, um genau zu sein. Und diese sind eben in die fröhliche Schulstunde verpackt.

Eines ist toll beim Tintelompe: Man kann (sofort wenn’s läutet) Platz nehmen, ohne sich grosse Gedanken zu machen. Das Fräulein Lehrerin oder der Herr Lehrer sagt dann schon, was man tun muss. Auch wenn man noch nicht genau weiss, was auf einen zukommt, man soll sich einfach gehen lassen, und dann ist ein vergnüglicher Abend mit Augenzwinkern und ganz persönlichen Begegnungen mit einem Stück (eigener) Geschichte garantiert.